König und Königin
Korbinian Huber hat einen Text zur Verfügung gestellt, der im Heft 2016 "Beiträge zur Flur- und Kleindenkmalforschung in der Oberpfalz" erschienen ist:
"An diesem Standort wurde im April 2015 meine zweiteilige Skulptur errichtet. Initiiert wurde dieses Projekt von der Marktgemeinde Kallmünz, die im Rahmen der Sanierung des Burgweges zwei Standorte auswies, und in Zusammenarbeit mit dem BBK Niederbayern-Oberpfalz sieben Künstler zu einem Wettbewerb einlud. Daraus gingen zwei Sieger hervor: Bildhauer Stefan Link mit seiner Arbeit "Wächter" nahe der Burg, ich mit meinem Entwurf König und Königin.
Für mich war bei der Entwurfsarbeit die Tatsache durchaus problematisch, mit einer Skulptur einen vorsätzlichen Eingriff in ein Biotop zu planen. Die Entscheidung Kalkstein zu verwenden, war naheliegend. Die Burg selbst und auch historische Bauten in Kallmünz sind logischerweise aus Kalksteinen errichtet, denn hier im Oberpfälzer Jura stößt man immer auf Kalk, wenn man nur tief genug gräbt. Die Burg, die einst unerlaubten, feindlichen Zutritt mit allen Mitteln zu verhindern hatte, besteht heute aus noch aufrechten und bereits wieder eingefallenen Mauern und ist somit immer für jedermann zugänglich geworden. Geebnete Rasenflächen erleichtern dies, aber auch sie gehen in verwilderte, teilweise unzugängliche Flächen über. Insgesamt kann die Burg als Beispiel dafür dienen, wie eine der Natur unter Mühen abgerungene Kulturleistung von dieser schön langsam, man möchte fast sagen spielerisch, rückbesiedelt wird.
Wenn man nun diesen Gedanken auf den Kopf stellt, quasi die Burg spielerisch in die Landschaft aussiedelt, dann folgt man wohl dem Gedanken, der meinem Entwurf zugrunde liegt.
Die in Teilen noch vorhandene Burg wird um ein weiteres Teil erweitert, welches, um den Gedanken zu Ende zu führen, auch eine spielerische Prägung aufweist. Eine zweiteilige Skulptur unterstützt den Gedanken der Erweiterung, zudem schafft man somit Raum, genauer gesagt Zwischenraum, welcher an diesem Standort von tiefer und weiter Sicht in die Landschaft erfüllt wird.
Säulen sind zuerst einmal Bauteile, z. B. Ständer, wurden aber schon in der Antike einzeln oder auch in Anordnungen zur Gestaltung von Plätzen und Gärten verwendet. "König und Königin" wurden aus "Drosselfelser Kalkstein", einem Riffkalk, der in Manching bei Neustadt/Donau gewonnen wird, ausgeführt. Dieser hellbeige Kalkstein wirkt durch seine oft mehrere Zentimeter großen Poren relativ unedel, unspektakulär. Das kam mir entgegen, denn auch beim Entwurf bemühte ich mich um eine zurückgenommene, unprätentiöse, im Wortsinn lapidare Sprache. Ich fand es nicht angebracht, meinen Eingriff in die Natur mit tiefschürfender Bedeutung oder Pathos aufzuladen.
Dies führte zu einer Formgebung, die weder geometrische Präzision, noch aufwändigen Zierrat aufweist. Die "spielerische Prägung", erhalten die Säulen durch ihre Torsion. In sich gebogen und leicht geneigt, nach oben hin verjüngt, geben sie klar zu erkennen, dass sie nicht Relikte einer vormaligen Architektur sind. Im Kontrast zur statischen Säule der Architektur, weisen diese beiden eine Dynamik auf, welche sich konsequent in den geneigten Kapitellen fortsetzt. Die Kapitelle sind kleinteiliger gearbeitet, weisen als Verzierung ein schlichtes Band auf, welches ihren Körper oben umspannt. Darüber, als oberer Abschluss, finden sich zwei Reihen mit je drei gebogenen Zinnen, die sozusagen in den Himmel greifen.
Sowohl die Krümmung der beiden Säulen, als auch die der Zinnen auf ihren Kapitellen sind gleichgerichtet, sodass sich ein Moment von Fortbewegung einstellt. Nicht nur die Kapitelle sind auf die Säulen montiert, auch die Säulen selbst sind aus drei Teilen gebaut. Auch dies ist eine bewusste Entscheidung, um so der Ehrfurcht, die uns gewaltige Steinquader einflößen könnten, entgegenzuwirken. Gleichzeitig verringert dies natürlich auch die Dimension des zur Montage nötigen technischen Aufwandes.
Obwohl ich mich in Zurückhaltung üben wollte, ist die ganze Skulptur jetzt doch ziemlich groß geworden, ja - ich hätte sie noch größer ausgeführt, wenn es das Budget erlaubt hätte. Das ist kein Widerspruch, denn für mich stand es außer Frage, dass man an so einem exponierten Standort etwas aufstellt, das auch weithin sichtbar sein muss. Von Weitem kann man sie nun sehen, gewissermaßen als Teil der Landschaft. Aus dieser Perspektive wirkt dann die ganze Anlage ganz und gar nicht überdimensioniert. In ihrem ganzen Habitus erinnern die beiden Säulen an gekrönte Brettspielfiguren, deshalb König und Königin."
Korbinian Huber
Steinmetzgeselle und Studium der Bildhauerei
Geboren 1965 in Freising.
Lebt und arbeitet in Duggendorf
Zahlreiche Ausstellungen, Symposien und öffentliche Arbeiten im öffentlichen Raum.
Hier finden Sie sein Profil beim Berufsverband Bildender Künstler.
Unterwegs
Auf der Bank genießt man bereits einen schönen Blick ins Naabtal und kann verschnaufen, bevor es dann den Weg weiter nach oben geht. Sie gehen direkt auf die Burgruine zu. Davor gibt es rechts eine Abzweigung mit einer Infotafel zum Thema "Am Keltenwall". Folgen Sie hier dem Wiesenweg um zu den steinernen Tarotkarten zu gelangen. Bitte beachten Sie, dass der Weg ab hier nicht mehr für Rollstühle, Kinderwägen oder Fahrräder geeignet ist!